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Praxis

Praxisübungen

Über Lerntechniken zu lesen ist nützlich, doch wirken sie erst in der Anwendung. In diesem Bereich finden Sie Übungen, die Sie mit Ihrem eigenen Stoff machen können: einen Wiederholungsplan aufstellen, Karteikarten zum Selbsttest anlegen und ehrlich prüfen, ob Ihr Lernen nicht zu passivem Wiederlesen geworden ist. Spezielle Programme brauchen Sie dafür nicht: Ein Heft, ein Kalender und ein Stapel Karteikarten aus Papier genügen.

Wenn eine Lerneinheit sich schwer anfühlt, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen. Die Anstrengung beim Abrufen ist genau die Arbeit, die das Gedächtnis stärkt.

— Aus der Redaktion

So ist der Bereich aufgebaut: Jede Übung ist Schritt für Schritt in allgemeinen Worten beschrieben, ohne starre Fristen und Vorgaben. Passen Sie sie an Ihr Fach und Ihren Zeitplan an, prüfen Sie nach ein paar Wochen, was funktioniert hat, und ändern Sie den Plan bei Bedarf.

Erstellen Sie einen Wiederholungsplan für zwei Wochen

  1. Stoff auswählen

    Nehmen Sie ein Fach oder ein größeres Thema und teilen Sie es in kleine Abschnitte, von denen sich jeder in einer Lerneinheit erarbeiten lässt.

  2. Ersten Durchgang verteilen

    Planen Sie, an welchem Tag Sie jeden Abschnitt zum ersten Mal durcharbeiten. Legen Sie nicht zu viele neue Themen auf einen Tag: Lassen Sie Zeit für Wiederholungen.

  3. Wiederholungen eintragen

    Tragen Sie für jeden Abschnitt mehrere Wiederholungen mit wachsenden Abständen in den Kalender ein: am nächsten Tag, nach einigen Tagen und gegen Ende der zweiten Woche.

  4. Mit Selbsttests wiederholen

    Wiederholen heißt nicht, alles noch einmal zu lesen. Versuchen Sie zuerst, das Wichtigste abzurufen, Fragen zu beantworten oder eine Aufgabe zu lösen, und schauen Sie erst danach in Ihre Notizen.

  5. Schwierige Stellen markieren

    Fällt Ihnen ein Thema nicht ein, planen Sie dafür eine zusätzliche, frühere Wiederholung ein. Kam alles leicht, darf der nächste Abstand länger werden.

  6. Bilanz ziehen

    Testen Sie sich am Ende der zweiten Woche zu allen Abschnitten auf einmal. Notieren Sie, welche Themen gut sitzen und welche in den nächsten Plan wandern müssen.

Karteikarten für den Selbsttest

  1. Eine Frage, eine Karte

    Schreiben Sie auf die Vorderseite eine Frage, einen Begriff oder eine Aufgabe, auf die Rückseite eine kurze Antwort. Übertragen Sie keinen ganzen Absatz aus dem Lehrbuch auf die Karte.

  2. In eigenen Worten formulieren

    Selbst ausgedachte Fragen zwingen Sie, den Stoff schon beim Vorbereiten zu durchdringen. Ergänzen Sie Fragen nach dem „Warum“ und „Wie“, nicht nur nach dem „Was“.

  3. Antworten vor dem Umdrehen

    Antworten Sie zuerst laut oder schriftlich und schauen Sie erst dann auf die Rückseite. Auch ein ehrliches „Weiß ich nicht“ ist nützlich: Es zeigt eine Lücke.

  4. Nach Ergebnis sortieren

    Sortieren Sie die Karten in Stapel: „sitzt“, „unsicher“, „weiß ich nicht“. Schwierige Stapel wiederholen Sie häufiger, leichte seltener, aber werfen Sie sie nicht ganz weg.

  5. Mischen

    Mischen Sie die Karten vor jedem Durchgang und kombinieren Sie gelegentlich Karten verschiedener Themen, damit Sie sich die Antworten nicht in einer festen Reihenfolge merken.

Prüfen Sie sich: Anzeichen, dass Sie nur wiederlesen

  • Sie haben das Kapitel mehrmals gelesen, können es aber bei geschlossenem Buch nicht nacherzählen
  • Der Großteil der Seite ist mit Textmarker markiert, doch was davon das Wichtigste ist, können Sie kaum erklären
  • Der Stoff kommt Ihnen bekannt vor, aber eine Aufgabe ohne Hilfe lösen Sie nicht
  • Sie haben noch nie versucht, Fragen zu beantworten, ohne in den Text zu schauen
  • Alle Wiederholungen fallen auf den letzten Abend vor dem Test
  • Lektionen

    Kurze Lektionen über das Einprägen, verteilte Wiederholung, Selbsttests, das Mischen von Themen, schwierige Texte und Mitschriften.

  • Methoden

    Lerntechniken und was die Forschung über sie weiß: Selbsttests, verteiltes Lernen, Vergessenskurve, Pomodoro-Technik und Cornell-Methode.

  • Ressourcen

    Arten von Lernressourcen ohne Marken und Werbung – und wie Sie die Qualität eines Kurses oder Materials prüfen, bevor Sie Zeit investieren.

Quellen

  • Dunlosky et al., „Improving Students' Learning With Effective Learning Techniques“ (2013)
  • Roediger & Karpicke (2006) – Studien zum Testeffekt
  • H. Ebbinghaus, „Über das Gedächtnis“ (1885)

Die Angaben zu Lerntechniken sind allgemein gehalten und stützen sich auf klassische Arbeiten zum Gedächtnis sowie auf Forschungsübersichten, die in den Quellen genannt sind. Wählen Sie Techniken passend zu Ihrer Aufgabe und prüfen Sie, was bei Ihnen persönlich funktioniert.